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Burnout – die Diagnose

Ein Burnout – was ist das eigentlich?

Zu nur wenigen Gesundheitsthemen gibt es so viele Untersuchungen, Erklärungsansätze, Selbsthilfebücher, Präventionsangebote, Seminare aber auch Verunsicherung wie zu diesem. Und die Antworten auf die Frage, was ein Burnout denn nun eigentlich ist, sind vergleichbar vielfältig. Auch in der Medizin und der Psychologie. Die einen Experten sagen, es sei eine Modediagnose. Andere sagen, die Erkrankung „Burnout“ gebe es gar nicht, denn es handle sich um eine Lebenskrise, welche per Definition keine Erkrankung ist. Und wieder andere sagen, es sei eine Unterform der Depression, welche per Definition immer eine Erkrankung ist.

Einigkeit besteht allerdings in der Charakterisierung des Burnout als „Syndrom“. Damit bezeichnen Mediziner und Psychologen ein zeitnahes bzw. gleichzeitiges Auftreten verschiedener körperlicher und psychischer Krankheits-Symptome. Diese schleichen sich, begleitend zum Dauerstress, meist über Monate ein, werden daher oft unabhängig voneinander therapiert und nicht immer im Zusammenhang gesehen. Auf körperlicher Ebene können dies beispielsweise zunächst zunehmende Allergien sein, später dann Rückenschmerzen, Magenprobleme oder ein Tinnitus. Betroffene von chronischen Erkrankungen wie dem ReizdarmsyndromNeurodermitis oder Psoriaris (Schuppenflechte) erleben oft, dass sich ihre Beschwerden verstärken. Im psychischen Bereich können begleitend Ängste auftreten, Panikattacken oder Zwänge ebenso wie Schlafstörungen oder depressive Verstimmungen.

Die Diagnose Burnout erfolgt deshalb meist erst dann, wenn Betroffene sich in einem chronischen körperlichen und emotionalen Erschöpfungszustand befinden, aus dem sie sich selbst nicht mehr – z.B. im Rahmen eines längeren Urlaubes – befreien können.

Mangels eindeutiger Symptome, gilt das Burnout-Syndrom offiziell nicht als Erkrankung.

Denn eindeutige Symptome sind Voraussetzung für die Aufnahme einer Erkrankung in die international gültige Klassifizierung von Erkrankungen (ICD) der WHO. In deren aktuell in Deutschland gültigen Version 10, wird das Burnout-Syndrom lediglich als ein Unterpunkt der Diagnose „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ aufgeführt. Da eine depressive Gefühlslage nahezu regelhaft Begleiter des Burnout-Syndroms ist, wird auch vielfach eine Erschöpfungsdepression diagnostiziert.

Mit der Neufassung der internationalen Klassifizierung von Erkrankungen (ICD 11), wird das Burnout-Syndom erstmalig als Erkrankung kategorisiert werden, ausgelöst durch „chronischen Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet werden kann“ mit den drei Symptomen  „Gefühl von Erschöpfung“, „zunehmende geistige Distanz oder negative Haltung zum eigenen Job“ und „verringertes Leistungsvermögen im Beruf“.  Damit werden die Auslöser für ein Burnout allerdings ausschließlich auf die Berufswelt beschränkt und dabei völlig ignoriert, dass ein Burnout mindestens genau so häufig außerhalb der Berufswelt eintritt: Bei pflegenden Angehörigen, ehrenamtlich Tätigen oder Menschen mit anderweitigen psychischen Dauerbelastungen, wie zum Beispiel von berufstätigen Eltern im Spannungsfeld Einkommenssicherung-Kindererziehung-Zeit.

Denn wie wir Menschen mit Belastungen jeglicher Art umgehen, ist in erster Linie abhängig von unseren seit der Kindheit erlernten oder übernommenen Glaubenssätzen, Verhaltensmustern und Bewältigungsstrategien und weniger vom jeweiligen Auslöser.

>>Nicht, wie die Dinge sind, ist entscheidend, sondern wie wie sie sehen<<  (Epikur)

Insofern ist ein Burnout vor allem eines: Eine Aufforderung der Seele, dringend innezuhalten und einen prüfenden Blick auf die eigene Lebensführung zu werfen  – auf unsere Belastungen, Rahmenbedingungen, inneren Überzeugungen und unseren Umgang mit uns selbst.

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